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X-Faktor Trainer 2

Walter Sperger
24. Sept. 2023
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Watzke verkündet DFB-Hammer“ lautet die Überschrift eines Beitrags, in dem SPORT1 berichtet, dass Hans-Joachim Watzke, der DFB-Vizepräsident und BVB-Geschäftsführer, die Reform der Reform im Kinderfußball (U6 bis U11) in die Wege leitet!

Entschuldigung, der 64-jährige DFB-Vize ist ein erfolgreicher Kaufmann und einer der einflussreichsten, wenn nicht der einflussreichste, Fußball-Funktionär Deutschlands und in kaufmännischen Angelegenheiten sicherlich sehr versiert, aber jetzt die Reform der Reform zu fordern, bezeichne ich als fatal und als ein Armutszeugnis eines Funktionärs in seinem Rang!

Aber wie komme ich bei meiner Überschrift, X-Faktor Trainer 2, auf die Reform der Reform des Kinderfußballs beim DFB?

Eigentlich liegt es auf der Hand und wird auch in der Umstrukturierung der A- und B-Junioren-Bundesliga deutlich: Vordringlichste Aufgabe im Jugendbereich muss es sein, Spieler zu entwickeln und nicht Meisterschaften um jeden Preis zu gewinnen! Und Spieler können wir nur entwickeln, wenn wir Spieler haben! Und an dieser Stelle müssen wir im Kinderbereich ansetzen.

Wie bereits in einigen meiner Beiträge erwähnt, lässt sich der Wandel der Gesellschaft nicht für den Fußball ausklammern. Die Kids finden heute ein viel breiteres Angebot vor, sportlichen oder aber auch anderen Freizeitaktivitäten nachzugehen, als das noch vor 30 Jahren der Fall war. Der Alltag unserer Kinder hat sich nicht zuletzt wegen einer medialen Überpräsenz deutlich verändert.

Hier versprach die angedachte Reform, die der DFB-Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung, Hannes Wolf, jetzt endlich umsetzen wollte, einen Impuls zu setzen, der auch leicht multiplizierbar gewesen wäre und den Kindern durch mehr Ballkontakte auch mehr Spielfreude vermittelt hätte. Das Modell wurde auch über zwei Jahre getestet und war schon 2012, durch das von Horst Wein entwickelte FUNiño-Konzept vorgestellt worden.

Viele Experten arbeiteten jahrelang daran – viel zu lange, wenn man es aus Sicht der Talententwicklung betrachtet und jetzt soll die Reform reformiert werden? Seit Dezember 2021 ist Herr Watzke als DFB-Vize im Amt. Wie hat er sich seither in die dringenden Reformen im Nachwuchsbereich eingebracht? Warum fordert er jetzt eine Kehrtwende? Warum in der Öffentlichkeit und so populistisch?

Ich schweife ab! Es geht darum, die Kinder für den Fußballsport zu gewinnen und ihnen den Spaß am runden Leder zu vermitteln. Und hier wird auch die Brücke zu unseren Trainern geschlagen! X-Faktor Trainer 2 möchte nichts anderes vermitteln, als die Tatsache, dass es eine unserer vornehmsten Aufgaben als Trainer ist, dem Nachwuchs auch den Spaß am Fußballspiel zu vermitteln.

Das erreichen wir im Kinderfußball mit anderen Mitteln als im weiter fortgeschrittenem Alter. In einer U13 oder U15, in der die Pubertät zu einem bestimmenden Element wird, benötigt ein Trainer großes Fingerspitzengefühl, um Fördern und Fordern in einem gesunden Gleichgewicht zu halten.

Ich möchte an dieser Stelle an eine Unart im heutigen Jugendfußball verweisen, nämlich den durch Funktionäre und Trainer forcierten, unreflektierten und dem Profifußball nachgeahmten Spielerwechsel! Was hat das mit Spaß und Gleichgewicht von Fördern und Fordern zu tun?

Versetzen wir uns die Lage eines talentierten Spielers, der in seinem Heimatverein in den verschiedenen Juniorenmannschaften spielte und sich gut entwickelte. Vielleicht wurde er auch an einen DFB-Stützpunkt berufen. Seine körperliche Entwicklung verläuft unauffällig und er zeigt gute Leistungen in seinem Team, ihm unterlaufen aber auch Fehler! Diese werden von seinem Coach lautstark kritisiert, woraufhin der Spieler verunsichert reagiert und in seinem Leistungsbild eher stagniert.

Im folgenden Jahr tätigt der Verein einen Wechsel und holt einen Jugendspieler für seine Position, der körperlich schon weiter entwickelt ist, als seine gleichaltrigen Mitspieler. Gespräche mit dem Vereinstalent finden nicht statt und plötzlich ist unser Spieler zweite Wahl! Vielleicht gewinnt das Team mit dem Neuzugang die Meisterschaft, aber das Talent aus den eigenen Reihen verliert der Verein und vielleicht auch der Fußball im Allgemeinen!

Ich möchte es Euch selbst überlassen, dieses Beispiel zu beurteilen. Der eine oder andere unter Euch wird sicherlich sagen, das Vereinstalent hätte die Situation als Herausforderung begreifen und den Kampf um die Position aufnehmen müssen/sollen. Ich bin hingegen der Meinung, dass mit deutlich mehr Fingerspitzengefühl agiert werden darf. Gespräche, die in meinem Beispiel nicht stattgefunden haben, hätten zu einem anderen Ergebnis geführt. Ein Ansatzpunkt wäre der Dialog zwischen Trainer und Spieler zum Zeitpunkt der Verunsicherung gewesen, aber auch später wäre noch Gelegenheit zur Rettung dieser Situation gewesen, wenn man das Vereinstalent über den Neuzugang und das weitere Vorgehen informiert hätte. Vielleicht hätte auch ein Außenstehender eine Brücke schlagen können.

Fördern und Fordern, gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht! Und jeder Spieler braucht seine individuelle Dosis!

Trainer im Amateurbereich sind häufig eine One-Man-Show. Mit Glück gibt es einen Co-Trainer. Diese sind nicht nur durch den Trainingsbetrieb und seine Vorbereitung gefordert, sondern sie sind auch in vielen Fällen dafür verantwortlich den Fahrbetrieb zu Auswärtsspielen sicherzustellen, dafür zu sorgen, dass die Trikots gewaschen und zum Spieltag mitgebracht werden, Umkleidekabinen ordentlich hinterlassen werden, elektronische Spielberichtsbögen gepflegt werden und vieles mehr. Eine Aufgabe, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt!

Und dennoch dürfen sie auf keinen Fall die Kommunikation aus dem Auge verlieren! Und ich spreche hier von zusätzlichen Einzelgesprächen, um auf das Individuum „Spieler“ gezielt einzugehen. Diese Zeit ist gut investiert und dient unserer primären Funktion als Jugend-Coach, Spieler besser zu machen!

Fördern und Fordern, Herausforderungen annehmen, den Wettkampf um Positionen sportlich zu gestalten muss kommunikativ begleitet werden, sonst fließt die Energie in falsche Kanäle und führt zu fatalen Missverständnissen!

Ich freue mich darauf, mit Euch nächste Woche ein weiteres Thema der Talententwicklung unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ aufzugreifen. Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!

 
 
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