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X-Faktor TRAINER

Walter Sperger
17. Sept. 2023
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

„Ich sehe Mats (Name frei erfunden) als Spieler, nicht als Projekt“, entgegnete der junge Chef-Coach einer U13 eines NLZ auf die Frage eines besorgten Vaters nach vermeintlichen Einsatzzeiten seines Sprösslings, als dieser nach drei Probetrainingseinheiten vor der Entscheidung stand, sich dem Team des NLZ anzuschließen oder nicht.

Zum besseren Verständnis: mit Spieler meinte der Trainer so etwas wie "Ergänzungsspieler" und Spieler mit Entwicklungspotential bezeichnete er als "Projekt".


Eine Facette der Traineraufgabe in einem NLZ und welche Tragweite diese hat, dem widmet sich der heutige Beitrag in der Rubrik „So schaut’s aus“.

Dieses Wochenende wollte ich mich sowieso dem Themenfeld TRAINER widmen und so lieferte mir eine Aussage eines Vaters im Zusammenhang mit der Talentförderung und einem Trainer eines NLZ eine Steilvorlage, um die Komplexität dieser Aufgabe, aber auch das umfangreiche Anforderungsprofil eines Jugendtrainers besser zu umreißen.

Dabei geht es mir nicht ausschließlich um die Trainer an den Leistungszentren, sondern auch um die vielen Coaches der Amateurvereine in den unterschiedlichsten Ligen.

Der oben beschriebene Auszug aus dem Dialog zwischen Elternteil und Trainer des NLZ macht deutlich, wie wichtig das Bewusstsein beider Seiten für die jeweils andere ist. Wie sehr mangelt es einem Trainer an Einfühlungsvermögen und aber auch an der Phantasie, Talente entwickeln zu können, wenn man so eine Aussage trifft.

Muss der Coach einer leistungsorientierten Juniorenmannschaft nicht permanent die Chancen und Stärken seiner Spieler im Blick haben? Selbstverständlich ist eine ehrliche und aufrichtige Kommunikation die Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit und es müssen leider auch unangenehme Gespräche geführt werden, aber bestimmt nicht zum Zeitpunkt der potentiellen Aufnahme eines Spielers in ein Team. Es ist auch klar, dass der Trainer dem Vater keine Garantie für Einsatzzeiten geben kann. Damit würde er das Leistungsprinzip in seinem Kader aushebeln, was für die Entwicklung seiner Spieler kontraproduktiv wäre, aber einem Vater in dieser Situation zu eröffnen, sein Sohn wäre nur Spieler und kein Projekt, zieht selbst den engagiertesten Eltern den Boden unter den Füßen weg.

Wenn man bedenkt, was eine Familie für Entbehrungen auf sich nimmt, um ein Kind im Leistungsfußball zu unterstützen, angefangen mit den vielen Fahrten zum Training und zu den Spielen, die Gespräche die mit dem talentierten Sprössling zu führen sind, das Organisieren des Alltags, die Balance zwischen schulischer und fußballerischer Entwicklung bis hin zur Wahrung des familiären Gleichgewichts, dann wird einem sehr schnell klar, dass dieser junge Übungsleiter mit ein paar unüberlegten Worten Perspektiven raubt und auch der Reputation des Vereins in Bezug auf die Nachwuchsförderung nachhaltig schadet.

Hätte er hingegen seine Aufgabe/Rolle richtig internalisiert, würde er jeden einzelnen Spieler als Chance begreifen und mit Freude an dessen Entwicklung arbeiten. Mit dieser Einstellung würden ihm Worte, wie aus dem oben beschriebenen Dialog nicht über die Lippen gehen. Wie gesagt, Einsatzzeiten zusichern wäre nicht ehrlich und kontraproduktiv, aber dem Vater zu versichern, dass er, der Trainer, alles tun würde, um die Entwicklung des Spielers zu fördern, wäre zu diesem Zeitpunkt eine aufrichtige Aussage eines Förderers mit der richtigen Einstellung.

Zur ganzen Wahrheit gehört natürlich auch, dass die Perspektiven der Spieler zu unterschiedlichen Zeitpunkten differenziert betrachtet werden. Das heißt aber auch, dass Entwicklungsmöglichkeiten gesehen und regelmäßige Statusgespräche geführt werden.

Dabei darf der Trainer auf die einzelnen Bereiche der Prädikatoren der Talententwicklung (habe ich in meinem Beitrag "Eltern -PEINLICH oder ein Faktor in der Entwicklung" aufgeführt) eingehen, die in seinem mittelbaren und unmittelbaren Einflussbereich stehen, nämlich die physischen, physiologischen und die perzeptiv-kognitiven Fähigkeiten. In diesem Zusammenhang ist der offene Austausch mit den Eltern und aber auch dem Talent, gerne in einem gemeinsamen Gespräch, besonders wertvoll.

Je klarer der Coach seine Vorstellungen kommunizieren kann, desto leichter fällt es dem Spieler, sich daran zu orientieren. Häufig helfen Bilder/Videoanalysen, um ein gemeinsames Verständnis bestimmter Merkmale und Ideen herauszuarbeiten.

In Bezug auf Spieler einer U13 stehen selbstverständlich die technischen Fähigkeiten im Vordergrund. Das goldene Lernalter, so wie es gerne bezeichnet wird, fordert das Trainerteam umgekehrt besonders. Es sind „saubere“, technische Bewegungsabläufe zu schulen, die mehr und mehr automatisiert werden müssen. Ein zielsicherer, druckvoller Kopfball, eine sichere Ballmitnahme mit dem Fuß oder aber der Brust, ein flüssiges Dribbling und ein druckvolles, gut verwertbares Passen eines Balles bilden dabei die Grundlage fußballerischer Fertigkeiten. Parallel dazu dürfen die taktischen Aspekte nicht außer Acht gelassen werden. Insbesondere individualtaktisches Verhalten rückt dabei ins Zentrum des Handelns. Wie soll ein Spieler in einer Defensivaktion zum Ball und ballführenden Spieler stehen? Welche Möglichkeiten des Handelns hat er? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? In der Offensive umgekehrt gilt natürlich das Gleiche. In welche Position soll der Spieler kommen, um raumgewinnende Folgeaktionen einleiten zu können? Wie muss sich der Spieler positionieren, um seinen ballführenden Mitspieler eine Anspieloption zu bieten? Wann ist ein Aufdrehen sinnvoll? Wann ist ein „Klatschen“ eher angebracht?

Dazu ist es überdies hilfreich, wenn ein Trainer einer U13 bereits klar vermitteln kann, welche gruppentaktischen und mannschaftstaktischen Vorstellungen er mit seinem Team umsetzen möchte.

Und ja, das gilt sowohl für leistungsorientierte Teams, als auch für Teams im Amateurbereich. Selbstverständlich ist der Grad der Ausführung und der Anspruch an Geschwindigkeit und Genauigkeit unterschiedlich, aber grundsätzlich sollten Übungsleiter diesbezüglich klare Vorstellungen haben, die sie auch deutlich artikulieren können sollten.

Damit wäre zunächst die Grundlage geschaffen, das SOLL und das IST klar abzugrenzen und eine Erwartungshaltung in Bezug auf die Talententwicklung zu definieren. Leider mangelt es hier häufig bereits an einem klaren Zielbild des Trainers. Die Konsequenzen liegen auf der Hand.

Ich appelliere an alle Trainer im Nachwuchsbereich:

1. Prüft Eure Einstellung! Was ist Eure vordringlichste Aufgabe?

2. Löst Euch von alten Denk- und Handlungsmustern!

3. Bildet Euch fort! Es gibt so viele anregende Angebote.

4. Sucht den offenen Dialog, vor allen Dingen mit den Spielern, so häufig wie möglich!

5. Pflegt einen aufrichtigen Umgang mit Eurem Umfeld.

Ich freue mich darauf, mit Euch nächste Woche ein weiteres Thema der Talententwicklung unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ aufzugreifen. Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!

 
 
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