Thomas Tuchel eine Trainer-Diva!? Und was wir lernen dürfen.
Aktualisiert: vor 7 Stunden
Erst in meinem vorletzten Beitrag hatte ich am Tag nach dem Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen den Einstieg über den Headcoach des FC Bayern München gefunden, um die Rolle des Cheftrainers von der eines Systemischen Coaches abzugrenzen. Heute rückt er in Anbetracht der aktuellen Entwicklung erneut in den Fokus. Der Auftritt Herrn Tuchels am vergangenen Freitag, das Bild das er in der Öffentlichkeit zeichnet, spricht leider eine deutliche Sprache. Trotz fehlender Kenntnis über interne Abläufe und Geschehnisse dürfen wir davon ausgehen, dass Kommentare vor laufenden Kameras gut überlegt sind. Und das Bild das sich in Anbetracht dessen zeichnet, ist besorgniserregend!
Nachdem in der Zeit zwischen meinem Beitrag nach dem Leverkusen-Match und heute die Entscheidung veröffentlicht wurde, dass der FC Bayern München und Thomas Tuchel nach dieser Saison getrennte Wege gehen, forderte man medienwirksam von den Spielern Charakterstärke und sprach gar davon, dass die verbleibende Saison zeigen wird, wer hinter dem Club stünde und mit wem man die Zukunft des Vereins gestalten wollen würde.
Der Einschätzung, es handle sich jetzt um eine Zeit in der jeder einzelne Charakterstärke beweisen könne, stimme ich grds. zu, denn jetzt sind die Spieler gefordert, für sich, für das Team und den Club zu spielen, ganz unabhängig vom Verhältnis zum Chefcoach und dessen Entscheidungen.
Diese Situation ist im Speziellen aber auch ein Prüfstein für den Charakter des scheidenden Cheftrainers.
Zur speziellen Geschichte und den nicht gerade optimalen Einstieg von Thomas Tuchel bei Bayern München gerade im Hinblick auf „belastbare Beziehungen“ zu den Spielern, um dann auch ein Team zu formen, bei dem das WIR im Vordergrund steht, habe ich bereits geschrieben. Bitte lest das gerne in meinem 28.sten Beitrag.
Hier und jetzt möchte ich jedoch gerne einen Blick auf die jüngsten Ereignisse werfen und auf die Äußerungen des Cheftrainers in der Pressekonferenz nach dem Freiburgspiel eingehen, die gem. dpa wie folgt getätigt wurden:
Freiburg (dpa) - Trainer Thomas Tuchel hat den Auftritt seiner Mannschaft nach dem 2:2 (1:1) des FC Bayern München beim SC Freiburg zumindest in Teilen scharf kritisiert. Er habe keine Erklärung für die schwache erste halbe Stunde, sagte der 50-Jährige nach der Partie am Freitagabend. "Wir haben in der gleichen Grundordnung gespielt, die gleichen Dinge eingefordert", erklärte er. "Aber der Unterschied in der Körpersprache und der Verbissenheit zwischen erster und zweiter Halbzeit war eklatant."
Auch "der Unterschied in der Qualität unseres Spiels, in der Positionsdisziplin, in der Fehlerquote" sei gravierend gewesen, so Tuchel. Die Münchner hätten froh sein können, dass sie nach 30 Minuten nur 0:1 zurückgelegen hatten.
Die zweite Halbzeit sei dann gut gewesen, meinte Tuchel. Es sei "komplett anderes Leben drin" gewesen, jeder habe auch "in seiner Position deutlich disziplinierter" agiert. Sein Team hätte die Partie zwischenzeitlich "verdient gedreht". Durch das 2:2 sei es einerseits noch um den verdienten Lohn gebracht worden. "Auf der anderen Seite haben wir in der ersten Halbzeit auch so viel vermissen lassen, dass wir es vielleicht nicht erwarten können", so Tuchel.
Den Beitrag in Ton und Bild findest Du auch unter folgendem Link:
Einige Medienvertreter erwähnen immer wieder die Aufrichtigkeit Tuchels, der auch mehrmals bereits zugestand, keine Erklärung für Leistungen und Entwicklungen zu haben. Wenn man den Wortlaut aus der oben erwähnten Pressekonferenz und auch anderer Statements vor dem Hintergrund „belastbarer Beziehungen“ und eines Teambuildings betrachtet, erscheinen diese jedoch in einem anderen Licht.
Wenn ich möchte, dass das WIR vor dem ICH steht und ein Spieler, für den anderen durch das Feuer geht, ist es nicht klug und gar emotional unintelligent, als Cheftrainer eine Position außerhalb des Teams einzunehmen.
Mir persönlich stößt auch die respektlose Art übel auf, die er bspw. auch zu Beginn der oben erwähnten Pressekonferenz zeigte. Während der Pressesprecher, Dieter Nickles, vor versammeltem Publikum der Medienvertreter die Fragerunde eröffnet, würdigt der Coach weder seinen Vereinskollegen noch den Medienvertretern eines Blickes. Vielleicht fehlt in den Aufzeichnungen eine vorhergehende Begrüßung und ich tue ihm damit Unrecht, aber selbst wenn dem so wäre, und ich kann es mir nur schwer vorstellen, wäre dies lediglich eine Nuance weniger bei all den Hinweisen auf das emotionale Fehlverhalten Tuchels.
Die Außendarstellung im Ganzen lässt nun leider auch vor dem Hintergrund der feststehenden Trennung im Sommer kein gutes Haar am gegenwärtigen Headcoach des FC Bayern München. Wie eingangs bereits angedeutet ist es auch für ihn eine spezielle Situation und auch er kann beweisen, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Jetzt geht es darum, seinen Charakter zu zeigen, sich vor die Mannschaft zu stellen, um auch und vielleicht gerade trotz der feststehenden Trennung, nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen! Die Spieler dürfen spüren, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnet, indem man sie ernst nimmt, in die Entscheidungen mit einbindet und gemeinsam die restlichen Herausforderungen angeht. Es stünde dem Trainer gut zu Gesicht, sich auch öffentlich selbstkritischer zu zeigen und seine eigenen Fehler konkret zu benennen. Das wäre ein mutiges Verhalten und noch aufrichtiger und erwachsener als die oben erwähnte Offenheit, die lediglich die Ratlosigkeit hinsichtlich der Mannschaftsleistung zum Ausdruck bringt. Damit bestünde wenigstens eine minimale Möglichkeit den verfahrenen Dialog mit dem ein oder anderen Spieler wieder aufzunehmen.
Gegenwärtig sprechen alle Indizien dagegen. Es entsteht der Eindruck einer Trainer-Diva, die beleidigt mit dem Finger auf andere zeigt. Nicht gerade ein Zeichen von Größe!
Um der Situation noch etwas Gutes abzugewinnen, kann sie uns Trainer und Coaches als mahnendes Beispiel dienen.
MIT KLARHEIT, FOKUS UND GELASSENHEIT ZU EINER OPTIMALEN ENTWICKLUNG
Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!



