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Mangelhafte Fehlerkultur

Walter Sperger
20. Aug. 2023
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Vertrauen - Mut & Agilität!


In der deutschen Wirtschaft, insbesondere im Zusammenhang mit der Digitalisierung, hat man es zwischenzeitlich bereits wahrgenommen, dass unsere Fehlerkultur innovations- und entwicklungsfeindlich ist. Moderne und gut geführte Unternehmen achten daher darauf, eine Kultur zu etablieren, in der Fehler in erster Linie als Chance zur Verbesserung wahrgenommen werden. Auch im Schulsystem sucht man nach neuen Wegen, um Fehler nicht als Versagen zu brandmarken.

Im deutschen Fußball und bedauernswerterweise auch beim Einsatz unserer Talente in den Bundesligavereinen dominiert unser altes Denkschema und wirkt sich besonders negativ aus.

Das veranlasste unseren U21-Nationaltrainer, Antonio Di Salvo, Anfang 2022 zu einem Interview mit „Alarmcharakter“!

Natürlich können sich Spitzenclubs in den nationalen und internationalen Wettbewerben keine Experimente erlauben, geht es doch um sehr viel Geld und damit auch um eine bessere Disposition in den folgenden Spielzeiten.

Beim rheinischen Bundesligagipfel baten jedoch die Verantwortlichen des 1. FC Köln, von Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf sogar um mehr Einsatzzeiten für junge Spieler in der Fußball-Bundesliga. Gladbachs Sport-Geschäftsführer, Roland Virkus, wiederholte diese Forderung heute sinngemäß während der Fußballtalkshow, Doppelpass, des Privatsenders SPORT1, als er den Einsatz von Luca Netz (20) rechtfertigte, der im Spiel gegen den FC Augsburg manchmal keine gute Figur machte.

Jetzt kann man argumentieren, dass Gladbach aufgrund seiner Verhältnisse dazu gezwungen sei, junge Perspektivspieler in den Kader einzubauen, aber grds. ergeben sich für alle Teams, und ich spreche hier bewusst von den Teams der Vereine mit einem DFB-Leistungszentrum, Gelegenheiten, Nachwuchsspieler immer wieder in den Profikader einzubauen. Jede Karriere hat schließlich irgendwo ihren Anfang. Und eine „gute“ Fehlerkultur, die auch beim Cheftrainer in einem Verein Anwendung findet und gelebt wird, eröffnet Chancen.

Es reicht nicht, lediglich eine höhere Effizienz eines NLZ zu fordern , wie es bspw. Herr Hainer machte, und Geld zu investieren, wenn gleichzeitig Fehler und Misserfolg in der Öffentlichkeit abgestraft werden. Zu einer authentischen Clubführung kann ein Chefcoach Vertrauen aufbauen und mehr Mut im Zusammenhang mit der Nominierung von jungen Spielern aufbringen.

Mit der Saison 2024/25 geht der DFB neue Wege, um im Hinblick auf die Talentförderung wieder zum Maßstab zu werden. Vergangene Woche habe ich dazu bereits für den Bereich U11 in meinem Artikel, Neues DFB-Nachwuchskonzept wirklich grotesk?, ausgeführt. Aber auch für die älteren Juniorenjahrgänge kommt es zu einschneidenden Veränderungen. Die Junioren-Bundesliga wird dann durch die Nachwuchsliga ersetzt. Nicht nur der Name wird sich ändern, sondern auch der Wettbewerbsmodus. Im Grunde wird es keinen Auf- und Abstieg mehr geben und trotzdem wird ein spannender Wettkampfcharakter erhalten. Damit können die Clubs Ihren Fokus auf die Entwicklung der Nachwuchsspieler legen und nicht vorrangig ergebnisorientiert agieren. Welche Neuerungen die A- und B-Junioren erwartet, führt der DFB in seinen FAQ aus.

Bereits im September 2019 haben die Macher das „Projekt Zukunft“ ins Leben gerufen und in diesem Zusammenhang auch die Trainerausbildung verändert und die Digitalisierung vorangetrieben. Bis zur Einführung der Nachwuchsliga sind dann fast fünf Jahre vergangen!

Im Bereich der U11 lag das Konzept zu den „Spielenachmittagen und Festivals“ mit dem von Horst Wein entwickeltem FUNiño schon im Jahr 2012 vor, was mein Freund und treuer Leser, Alfred Stöhr, im Zusammenhang mit meinem letzten Artikel anmerkte – 12 JAHRE bis zur Umsetzung.

Also gilt insbesondere auch für den DFB, eine andere Fehlerkultur zu etablieren und deutlich handlungsschneller zu werden. Wir brauchen dringend mehr Agilität!

Im gleichen Atemzug und bereits jetzt, sind die Vereine gefordert, ihre Kultur zu überdenken! Dabei möchte ich insbesondere die Führungsgremien der Vereine ermahnen, authentisch zu handeln! Vorstände, Geschäftsführer, Aufsichtsräte, sportliche Leiter, Leiter der NLZ und sämtliche Vertreter der Clubs dürfen als Vorbilder vorangehen!

Und dann heißt es, geduldig Vertrauen aufbauen. Eine Kultur verändert man nicht innerhalb von Tagen. Vertrauen kann man schnell verlieren, es wächst jedoch sehr langsam!

Ich freue mich darauf, mit Euch nächste Woche ein weiteres Thema der Talententwicklung unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ aufzugreifen. Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!

 
 
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