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Leidet die Talententwicklung und -förderung unter dem Wandel der Gesellschaft?

Walter Sperger
23. Juli 2023
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Was macht die Digitalisierung mit unseren Talenten (1)

Vergangene Woche wollte ich in einem kurzen Überblick darstellen, wie sich die Zeiten gewandelt haben, wie Fußballplätze vor 50 Jahren aussahen und welche Umstände wir heute antreffen, wie sich Kinder damals selbst organisierten und wie deren Freizeitmanagement heute aussieht (siehe Beitrag).

Jetzt könnte man trefflich eine Diskussion des Für-und-Wider dieser Gegebenheiten führen, was sie aber nicht ändern wird. Der Wandel der Gesellschaft schreitet voran und das hat Konsequenzen in allen Bereichen: 

Leidet die Talententwicklung und -förderung darunter?

Damit möchte ich einen weiteren Aspekt des gesellschaftlichen Wandels aufgreifen, der die Talente, deren Entwicklung und Förderung maßgeblich beeinflusst und dessen Entwicklung wiederum unaufhaltsam, exponentiell voranschreitet: die Digitalisierung, und in diesem Zusammenhang zunächst lediglich die sozialen Medien.

Als Mark Zuckerberg 2004 sein Produkt Facebook auf den Markt brachte, veränderte das unser aller Leben in vielerlei Hinsicht. Heute gibt es zahlreiche ähnliche Plattformen mit unterschiedlichen Ausprägungen und Gewichtungen. Gemeinsam ist ihnen allen das Bilden eines digitalen Netzwerks, eine Art Kommunikationstool und das Teilen von Informationen. Die Plattformbetreiber profitieren von den Informationen der User, die arglos Standorte, Bilder, Neigungen, Meinungen, Bewertungen und weitere Daten kundtun und zur Nutzung zur Verfügung stellen. Die einschlägigen, unübersichtlichen Nutzungsbedingungen räumen den Unternehmen weitreichende Befugnisse ein. Damit können nicht nur gezielt Werbeaktionen gesteuert, sondern auch politische Wahlen maßgeblich beeinflusst werden, wie die „Sonderermittlung zur Beeinflussung des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten 2016“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Sonderermittlung_zur_Beeinflussung_des_Wahlkampfs_in_den_Vereinigten_Staaten_2016) zeigte.

Ihr fragt Euch, was das mit unseren Talenten zu tun hat?

Eine Umfrage von Statista belegt, wie viele Jugendliche ein Handy besitzen und demnach auch benutzen: „Rund 9 Prozent der 6- bis 7-jährigen Kinder in Deutschland besitzen ein eigenes Smartphone. Bei den 8- bis 9-Jährigen sind es 27 Prozent, in der Altersgruppe der 10- bis 11-Jährigen schon 58 Prozent. Der Anteil der Smartphone-Besitzer unter den 12- bis 13-Jährigen beläuft sich auf 81 Prozent. Die intelligenten Mobiltelefone sind für viele ein wichtiger Teil des alltäglichen Lebens geworden und der Umgang mit Smartphones beginnt bereits im Kindesalter.

Die Nutzung der Smartphones erfolgt bei vielen Kindern nicht unter Anleitung und unter Kontrolle eines Erwachsenen und auch die Schulen können einen altersgerechten Umgang mit sozialen Medien häufig nicht vermitteln. Die Anreize aus dem „Netz“ sind so verlockend und psychologisch geschickt aufgebaut, dass eine sinnvolle und gesunde Nutzung für Kinder und Jugendliche nahezu unmöglich ist. Das Bild auf den Straßen, aber auch die vielen Diskussionen über „Handyzeit“, „Handyverbot“, u. ä. mit den Kindern belegen das eindrucksvoll. Und dann nehmen wir grds. nur die Spitze des Eisbergs wahr. Wie viele Stunden unbeobachtet die Smartphones und Tablets heiß laufen, „wollen“ wir erst gar nicht wissen.

Aber ich drifte ab – bleiben wir weiter bei den sozialen Medien. Ja, und gerade weil die Nutzung der elektronischen Devices nicht kontrolliert und viel zu umfangreich durch die Kinder erfolgt, konsumieren sie auch viele Informationen ungefiltert und unreflektiert. „Reels und Kurzvideos“, die mit intelligenten Algorithmen hinterlegt sind, fördern das Konsumverhalten und erzeugen eine Sucht, die zum Verweilen auf den jeweiligen Seiten lockt. Selbst reflektierte Erwachsene müssen sich Wecker oder Timer stellen, um nicht im Rausch des Bilderkonsums zu versinken.

Ich übertreibe? Das glaube ich nicht. Wir sollten uns ehrlich selbst reflektieren, ob und wie oft es uns schon selbst so ergangen ist, unbeabsichtigt Bildern und Informationen zu folgen und dabei Minuten und Stunden an den Bildschirmen verbracht zu haben. Wenn uns ein sinnvoller Umgang mit den sozialen Netzwerken nicht gelingt, wie herausfordernd stellt sich das erst für unsere Kids dar?

Die quantitative Nutzung sozialer Medien manifestiert sich im unmittelbaren Bewegungsmangel, durch die Bewegungsunlust (Ursache: Bildschirmzeiten), die Konsequenzen für unsere Augen und vielfach auch in Haltungsschäden, bis hin zum „Handydaumen“ – verrückt, oder! Die Nutzung sozialer Medien wirkt aber auch durch die Qualität der Beiträge.

Auswirkungen zeigen sich in einem fehlentwickelten Konsumverhalten, irrationaler Markentreue, fehlendem Realitätsbezug und einer gestörten Selbstwahrnehmung. In Einzelfällen kommt es sogar zu Mobbing über soziale Netzwerke. 

Erschwerend kommt hinzu, dass das Netz nichts vergisst. Einmal gepostet, kann man Informationen nicht wieder zurückholen. Und wie schwerfällt es uns Erwachsenen, Hintergründe zu bestimmten Informationen zu hinterfragen. Der Wahrheitsgehalt einzelner Beiträge, die Motivation des Autors und die Qualität dessen journalistischer Arbeit, wird nicht geprüft. Im Übrigen gilt das auch für diesen Beitrag, daher veröffentliche ich meine Beiträge auf den Seiten von „KICK-CAREER.COM“. Hier finden Sie auch Hintergründe zu meiner Person und zu meiner Motivation, diese Texte zu veröffentlichen (siehe Beitrag).

Was können also Verbände, Vereine und Trainer tun und wie können Eltern und Talente mit diesem Thema umgehen?

Na ja, das „nonfamiliäre“ Umfeld kann lediglich informativ und vorbildlich agieren. Aber bitte liebe Verbände, unterstützt die Vereine und Trainer mit Informationsmaterial. Wie kann ein verantwortungsbewusster Umgang mit sozialen Medien und elektronischen Devices im Allgemeinen erreicht werden? Können Trainer auch Eltern mit in die Verantwortung nehmen? Wie können Trainer dieses Thema an die Kinder adressieren?

Den weitaus größeren Hebel hat natürlich das familiäre Umfeld. Da ich, wie man meiner „Ersten Meinung“ aus der vergangenen Woche schwerlich entnehmen kann, ein Verfechter des eigenverantwortlichen Handelns bin, stehen Aufklärungsgespräche mit den Kindern an erster Stelle. Natürlich agieren auch und gerade die Eltern in Ihrer Vorbildfunktion. Sollte sich aber die „Suchtwirkung“ gerade der „Reels und Kurzvideos“ bemerkbar machen, verurteilen Sie Ihr Kind nicht, sondern versuchen Sie vielmehr steuernd und aufklärend auf das Thema einzugehen. Das heißt in letzter Konsequenz auch Entzug der elektronischen Devices, aber bitte nicht im Gewand der Bestrafung. An dieser Stelle ist Fingerspitzengefühl gefragt und manchmal, vermehrt in der Pubertät, auch Unterstützung von außen.

Mein Appell an die Talente: Hinterfragt Euer Verhalten. Versucht in Euch hineinzuhören, während Ihr im Netz unterwegs seid. Notiert Euch, wie lange und vor welchem Hintergrund Ihr ins Netz gehen wollt und wie das Ergebnis aussieht. SPANNEND!

Einleitend kam ich durch den Überbegriff Digitalisierung auf das Thema „Soziale Medien“. Ich finde, dass man auch elektronische Onlinespiele in einem Atemzug nennen darf. Die Auswirkungen sind ähnlich. Das Suchtpotential fast noch höher.

Nächste Woche möchte ich über eine weitere Auswirkung der Digitalisierung sprechen und dabei im Wesentlichen auf die Trainer eingehen. Oftmals agieren die Trainer noch wie im Zeitalter der Industrialisierung. Warum?

 
 
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