Individualisierung des Trainings in der Talentförderung - Die Quadratur des Kreises
Aktualisiert: vor 7 Stunden
Fußball, der Sport unserer Nation, ist nicht nur eine Leidenschaft, sondern auch ein Wettkampf um Perfektion. In den letzten Jahren hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen, weg von einem einheitlichen Trainingsansatz hin zu einer maßgeschneiderten Individualisierung für Fußballtalente. Doch stellt sich die Frage: Macht diese Vorgehensweise Sinn, wenn wir nur 90 Minuten pro Woche zur Verfügung haben?
Der Fußball hat sich weiterentwickelt, und mit ihm die Ansprüche an junge Talente. Es reicht nicht mehr aus, einfach nur gut zu sein – die Spieler von heute müssen herausragen, um aufzufallen. In diesem Kontext hat die Individualisierung des Trainings einen festen Platz eingenommen. Der DFB setzt nun auf personalisierte Programme, um die spezifischen Bedürfnisse seiner Talente zu fördern.
Aber Vorsicht ist geboten! Nicht, dass die Botschaft zu allgemein bei den Trainern in den Amateurbereichen ankommt. Die Talentförderung des DFB setzt in der Regel mit der U13 ein und findet unter anderen Rahmenbedingungen, als das Training im Heimatverein statt.
Aber warum geht der DFB jetzt neue Wege?
Die Antwort liegt einerseits am unbefriedigenden Output der vergangenen Jahre und andererseits in der Vielfalt der Talente. Jeder Spieler bringt einzigartige Fähigkeiten und Schwächen mit sich. Ein starres Trainingsprogramm kann nicht jedem gerecht werden. Durch die Individualisierung können Trainer gezielt an den Schwächen arbeiten und die Stärken weiter ausbauen. Das gewünschte Resultat: Spieler, die technisch, taktisch, konditionell und mental versierter sind.
Die Herausforderung: Nur 90 Minuten pro Woche
Einmal pro Woche, und das für 90 Minuten, findet die Talentförderung des DFB an den Stützpunkten statt. Ca. 20 Spieler sind von durchschnittlich drei Trainern zu betreuen. Stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit. Die Fußballtalente verbringen nur begrenzte Zeit im Stützpunkttraining. Sind 90 Minuten pro Woche ausreichend, um die Individualisierung des Trainings zu rechtfertigen? Ein individualisiertes Training ist mit deutlich mehr Aufwand verbunden, als eine standardisierte Einheit.
Die Stützpunkttrainer haben über ihr Wirken an den Montagen auf den Trainingsplätzen hinaus auch noch Ihre Sichtungsarbeit an den Wochenenden zu bewerkstelligen und das Ganze geschieht nebenberuflich im Rahmen eines Minijobs.
Qualität über Quantität
Seis wie’s sei, die 90 Minuten mögen begrenzt erscheinen, doch die Qualität des Trainings steht im Vordergrund. Durch eine präzise Ausrichtung auf die individuellen Bedürfnisse können Spieler in kurzer Zeit enorme Fortschritte erzielen. Technik, Taktik, Fitness und Mentalität – jedes Element soll gezielt gefördert werden, um eine ganzheitliche Entwicklung zu ermöglichen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Individualisierung des Trainings im Rahmen der Talentförderung des DFB eine Herausforderung für die Trainer ist und sicherlich wird es an den einzelnen Stützpunkten große Unterschiede in der Umsetzung geben. Dennoch zeigt die moderne Fußballwelt, dass Qualität oft wichtiger ist als Quantität. Die gezielte Förderung von Talenten durch maßgeschneiderte Programme kann auch in 90 Minuten pro Woche beachtliche Ergebnisse erzielen. Die Zukunft der Talentförderung liegt zweifellos in der Personalisierung – eine Entwicklung, die nicht nur Spieler, sondern auch den Sport insgesamt auf ein neues Niveau heben kann.
Was mir im Zuge der „neuen“ Talentförderung des DFB insgesamt jedoch in Vergessenheit zu geraten scheint, ist die Begrenztheit der Kapazitäten an den Stützpunkten. Denn bei all dem zusätzlichen Aufwand, der durch die Individualisierung entsteht, werden die Stützpunkttrainer nicht mit zusätzlichen Kapazitäten ausgestattet.
Wie in meinem früheren Bericht, X-Faktor Trainer, bereits erwähnt, fehlt es an Kompetenz, angemessen zu kommunizieren. Mit dem aufwendigeren Trainingsansatz verschärft sich zusätzlich die Kapazitätssituation. Und die Leidtragenden sind am Ende die Spieler.
Gut gemeint ist auch hier vielleicht das Gegenteil von gut gemacht?!
Ich freue mich darauf, mit Euch nächste Woche ein weiteres Thema der Talententwicklung unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ aufzugreifen. Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!



