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Eltern - Freiraum vs. Fürsorge und so viel mehr!

Walter Sperger
11. Sept. 2023
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Viele junge Paare stellen sich die Frage, ob sie der Verantwortung als Eltern gerecht werden können und ob es angesichts der Entwicklung unserer Umwelt oder aber auch der Gesellschaft einem jungen Erdenbürger zuzumuten wäre, ein Leben jetzt zu beginnen.

Fragen, die sich Generationen vorher ebenfalls stellten und deren Beantwortung sicherlich nicht einfach ist. Ein junges Leben auf seinem Werdegang zu begleiten, sollte aus meiner Sicht nicht sorgenvoll, sondern mit Vertrauen und Zuversicht, voller Neugier und Freude angepackt werden. Sicher ist das nicht immer möglich und es wird auch schwierigere Themen geben, dennoch sollten die positiven Seiten deutlich überwiegen.

Was hat das mit Talententwicklung und -förderung zu tun?

Wie in meinen vorherigen Beiträgen bereits erwähnt, ist eine gesunde Fehlerkultur der Schlüssel zum Umgang mit vielen Situationen. Auch in unserer Rolle als Elternteil werden wir Fehler machen und das ist total okay. Viel schlimmer wäre es, wenn wir unter dem Druck, alles richtig und perfekt machen zu wollen, unseren Alltag als Last empfinden.

Ein Mentor, der mich in einer Lebensphase prägte, pflegte zu sagen: „Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung!“ – Entschuldigt die Ausdrucksweise, aber sie bringt es auf den Punkt.

Damit wäre der Handlungsrahmen, in dem wir uns als Eltern grds., aber auch als Eltern eines Fußball-Talents, bewegen, gut beschrieben.

Wenn wir über „Freiraum vs. Fürsorge“ sprechen, wird auch schnell deutlich, wo wir unsere persönlichen Grenzen als Erziehungsberechtigte haben. Freiraum zu lassen erfordert Mut und Vertrauen und das wiederum hat viel mit unseren eigenen Erfahrungen zu tun. Der von mir so gern proklamierte Freiraum für Kids zur eigenen Gestaltung, um Verantwortungsbewusstsein entwickeln zu können, hat natürlich auch Grenzen. Spätestens dann, wenn die Gesundheit unserer Kleinen in Gefahr gerät. Manchmal braucht es aber auch eine engere Begleitung und Hilfestellung, gewiss alters- und entwicklungsabhängig, um bestimmte Sachverhalte richtig einordnen zu können.

Dazu gehört bspw. die Wahl der fortführenden Schule. Sicherlich werden in jungen Jahren die Weichen für so viele Dinge in unserem Leben gestellt und manchmal entsteht der Eindruck, Entscheidungen, die in früh getroffen werden, sind nicht mehr zu korrigieren. Dem möchte ich hier sehr leidenschaftlich widersprechen. Ein geradliniger Weg durch die Instanzen der schulischen Bildung mag uns aus der elterlichen Perspektive am einfachsten erscheinen, aber ist er das auch für den Schüler/die Schülerin? Manchmal ist der zweite Bildungsweg die bessere Entscheidung. Im Übrigen soll es auch schon berufliche Karrieren von Menschen ohne höheren Schulabschluss gegeben haben.

Eine Entscheidung hinsichtlich der weiterführenden Schule, ist auch eine Entscheidung für mehr oder weniger Freizeit, mehr oder weniger Zeit gemeinsam mit Freunden, mehr oder weniger Zeit für die persönliche Entwicklung des jungen Lebens. Und diese Entscheidung kann ein Kind nicht alleine treffen. Hier ist ein gesunder Dialog und die Hilfe der Eltern notwendig. Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, als gäbe es einen einzigen richtigen Weg! Nein, es ist eine sehr individuelle Angelegenheit! Ein wichtiger Schritt im Leben, der wohlüberlegt sein möchte.

Eine weitere Situation, in der Hilfestellung unbedingt angebracht ist, stellt sich dar, wenn ein Verein mit einem Leistungszentrum den Filius für seine Teams gewinnen möchte. Die Umstände, wie alt das Kind ist, wie weit die Distanz zum Verein mit Leistungszentrum ist, welchen Trainer und welche Trainingsumstände der Filius vorfinden würde, wie stark der junge Spieler im Heimatverein verwurzelt ist und wer ihn dort wie trainiert, sind allesamt Faktoren, die bei so einer Entscheidung zu berücksichtigen sind. Natürlich sind diese Kriterien nicht vollständig. Welche Konsequenzen ergäben sich bspw. für den Alltag des Kindes? Was würde das für den Alltag der Familie bedeuten? Und viele weitere Punkte, bei deren Erwägung unser Nachwuchs die Hilfe der Eltern und ggf. die eines Dritten benötigt.

Einen Dritten/Experten sollten sie dann hinzuziehen, wenn sie bestimmte Sachverhalte nicht ausreichend selbst beurteilen können, bspw. wie ist die Leistung eines Trainers zu bewerten? Wie vermittelt er technische und taktische Trainingsinhalte? Wie darf ein Umfeld gestaltet sein, damit sich das junge Talent gut entwickeln kann? Gibt es eine Kooperation des NLZ mit einer Eliteschule des Fußballs? Und, und, und…

Vermeintliche Niederlagen oder Rückschläge stellen eine weitere wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Situation dar, in der Unterstützung durch die Eltern unbedingt erforderlich ist! Damit meine ich nicht unbedingt das 1:2 vom Wochenende. Unterstützung beim Umgang mit einem negativen Spielergebnis kann zwar in sehr jungen Jahren auch angebracht sein, und ich spreche hier aus eigener Erfahrung, aber ich meine mit Niederlagen weittragender Entscheidungen, wie bspw. das Aus an einem „Stützpunkt“ oder im Team eines NLZ.

Ein Ratschlag von mir:

Sich rechtzeitig, bereits bei Eintritt in ein NLZ oder bei Einladung zu einem Stützpunkt, mit möglichen Szenarien auseinandersetzen!

Was passiert, wenn man aus dem Förderkreis verabschiedet wird? Was heißt das? Gibt es Erklärungen? Welche Konsequenzen hätte das für die Karriere als Fußballer? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die persönliche Entwicklung des jungen Menschen? Wie ist mit Reaktionen aus dem Umfeld umzugehen?...

Wenn man sich im Vorfeld bereits mit diesen Themen beschäftigt, dann wirken die Argumente im Falle des Falles nicht wie Ausflüchte, sondern als nüchterne Bewertung der Situation.

Für viele junge Kicker ist so eine „Niederlage“ (aus meiner Sicht ist es keine!) das Ende des sportlichen Engagements und gleichzeitig auch ein Knick in der persönlichen Entwicklung! Die Gefahr „in ein Loch zu fallen“, ist ungleich größer, als bei Gleichalterigen, die sich nicht im „Leistungssport“ betätigen!

Gerade deshalb ist die vorausschauende, unaufdringliche Begleitung der jungen Talente so wichtig!

Ich freue mich darauf, mit Euch nächste Woche ein weiteres Thema der Talententwicklung unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ aufzugreifen. Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!

 
 
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