Eine Generation verpennt, lieber DFB!
Aktualisiert: vor 7 Stunden
Trotz herausragender Erfolge und weltweiter Anerkennung steht der Deutsche Fußballbund (DFB) vor Herausforderungen, die primär auf mangelnde Innovationsfreudigkeit und langwierige Entscheidungsprozesse zurückzuführen sind. Ich möchte heute, trotz der gegenwärtigen, überragenden Erfolge unserer U17 Nationalmannschaft (Gratulation an der Stelle zum Erreichen des WM-Finals) einen kritischen Blick auf die Entwicklung des Kinderfußballs und auf die Aspekte, die die Anpassungsfähigkeit des DFB beeinträchtigen, werfen.

Mangelnde Innovationsfreudigkeit:
Die Innovationsfreudigkeit des DFB erscheint in einigen Bereichen als begrenzt. Im Vergleich zu anderen führenden Fußballverbänden und Vereinen zögert der DFB zu lange und zu häufig, innovative Methoden und Ansätze zu übernehmen. Die Einführung der Veränderungen im Kinderfußball, die von allen Experten seit 20 – 30 Jahren begründet und gefordert wurden, kommen nun hoffentlich in der neuen Spielzeit. Diese Zurückhaltung beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Nationalmannschaft ungeachtet der Turnier- und Spielerfolge der vergangenen Jahre und sie behindert die Entwicklung von vielversprechenden Talenten. Leider werden die Entscheidungen des Verbandes auch durch verkürzte Darstellungen in den Medien ungünstig beeinflusst. So gibt heute fast jeder Ex-Profi, der zu wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit genießt, unqualifizierte und nicht fundierte Statements zu dem Thema, die von den klick hungrigen Medien populistisch in Szene gesetzt werden!
Langwierige Entscheidungsprozesse:
Ein weiteres Problem, das die Dynamik des DFB beeinflusst, ist die langwierige Natur seiner Entscheidungsprozesse. Die Bürokratie und die komplexe Organisationsstruktur führen zu einer Verlangsamung der Entscheidungsfindung. Dies betrifft nicht nur sportliche Angelegenheiten, sondern auch organisatorische und strategische Entscheidungen. In einer schnelllebigen Sportwelt führt die Trägheit in den Entscheidungsprozessen dazu, dass der DFB hinter anderen Verbänden, aber insbesondere weit hinter seinen Möglichkeiten, zurückbleibt.
Widerstand gegen Veränderungen (in meinem Bericht "X-Faktor Trainer 2" bereits erläutert):
Ein weiterer Faktor, der die Innovationsfreudigkeit des DFB beeinträchtigt, ist der Widerstand gegen Veränderungen. Die langjährige Geschichte und die etablierten Praktiken führen dazu, dass neue Ideen und Ansätze auf Skepsis stoßen. Traditionalisten prägen weitestgehend das Bild unseres Verbands. Dieser Widerstand gegen Veränderungen verhindert und behindert die Anpassungsfähigkeit des DFB, dass frische, innovative Konzepte erfolgreich integriert werden. Darüber hinaus birgt die Verkrustung auch die Gefahr von „Amigos“ und führt definitiv auch dazu, dass sich kreative Köpfe, echte Macher und Vordenker vom Verband abkehren. Was bleibt, sind besitzstandswahrende Bankdrücker.
Die mangelnde Innovationsfreudigkeit und die langwierigen Entscheidungsprozesse beim Deutschen Fußballbund stellen ernsthafte Herausforderungen dar, denen sich der Verband stellen muss. Um weiterhin auf der internationalen Bühne erfolgreich zu sein, aber auch um zeitgerecht den Breitensport Fußball attraktiv zu gestalten und zu fördern, ist es entscheidend, dass der DFB einen dynamischeren Ansatz bei der Integration neuer Technologien und insbesondere bei der Beschleunigung seiner Entscheidungsprozesse verfolgt. Die Überwindung von Widerständen gegen Veränderungen und die Schaffung einer agileren Organisationsstruktur könnten entscheidend dazu beitragen, die Innovationsfreudigkeit des DFB zu stärken und ihn auf zukünftige Herausforderungen besser vorzubereiten.
Ich freue mich darauf, mit Euch nächste Woche ein weiteres Thema der Talententwicklung unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ aufzugreifen. Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!



