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Die Wahrscheinlichkeit Fußballprofi zu werden

Walter Sperger
5. Nov. 2023
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Fußballprofi zu werden?

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Fußballprofi zu werden?


Eine Frage, die sich bestimmt viele Talente stellen, deren Antwort bzw. statistische Herleitung immer kritisch betrachtet werden sollte. „Hochrechnungen sagen die Zukunft voraus, sofern alles beim alten bleibt.“ (Alexander Eilers, Aphoristiker *1976 in Fulda). Diesen Satz möchte ich meinem Artikel unbedingt voranstellen, denn Statistiken beruhen einerseits auf Zahlen der Vergangenheit und bilden andererseits Durchschnittswerte ab.

Die Werte, die ihr den folgenden Zeilen entnehmen dürft, möchte ich auch transparent herleiten, um Euch die Möglichkeit der Validierung einzuräumen. Dabei konzentrieren sich die Zahlen lediglich auf die Spieler, die an DFB-Stützpunkten bzw. in Leistungszentren und im Folgenden in den Bundesligen trainieren. Es ist kein Geheimnis, dass es Spieler gibt, die andere Wege gehen oder gegangen sind, aber sie finden in diesem Zahlenmodell keine Berücksichtigung.


Liebe Statistiker!

Selbstverständlich ist mir bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, am Ende einer Förderkarriere einen Profivertrag zu erhalten, mathematisch anders berechnet werden darf (Ereignisbaum), da es sich um aufeinanderfolgende Ereignisse handelt. Also darf man sich die Frage stellen, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit von einem Förderjahrgang in den nächsten aufzurücken usw. bis man schlussendlich in der U19-Bundesligamannschaft landet und dies dann multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit einen Profivertrag zu erhalten.

Beispiel: Ein U13-Spieler wird im Förderjahr 1 an einem DFB-Stützpunkt aufgenommen. Dann rückt er im U13-Bereich ins zweite Förderjahr vor und wird anschließend Spieler in einer NLZ-Mannschaft (U14), rückt in die U15 des NLZ vor, bis er schließlich in der U19 dieses Vereins spielt.

Daraus ergibt sich folgendes Rechenbeispiel (die Werte sind fiktiv und haben keinen Anspruch auf Bezug zur Realität – dem DFB liegen die reellen Daten im Detail vor):

  • Wahrscheinlichkeit Vorrücken 1. Jahr DFB-Stützpunkt (90%)

  • Wahrscheinlichkeit Aufnahme NLZ (17 %)

  • Wahrscheinlichkeit Vorrücken U15 NLZ (75 %)

  • Wahrscheinlichkeit Vorrücken U16 NLZ (70 %)

  • Wahrscheinlichkeit Vorrücken U17 NLZ (65 %)

  • Wahrscheinlichkeit Vorrücken U18 NLZ (60 %)

  • Wahrscheinlichkeit Vorrücken U19 NLZ (55 %)

   => 0,90 0,17 0,75 0,58 0,47 0,37 0,21 ≈ 1,72 %

In unserem Beispiel würde der Spieler mit einer Wahrscheinlichkeit von 1,72 % in die U19 des NLZ aufrücken.

Leider fehlt mir für eine derartige Berechnung die Zahlengrundlage, aber es wird schon ersichtlich, wie sich eine statistisch korrekte Zahl herleitet und dass diese in einem sehr niedrigen prozentualen Bereich vor der Kommastelle liegt. In der Realität spielen auch sehr viele Faktoren eine Rolle, ob ein Spieler vorrückt oder dem Fußball überhaupt treu bleibt.


Jährliche Profidebütanten:

Gemäß den Angaben von Transfermarkt.de haben in den vergangenen fünf Saisons 148 Profis mit deutscher Staatsbürgerschaft ihr Debüt in der 1. Bundesliga, 281 in der 2. Bundesliga und 468 in der 3. Bundesliga gegeben und waren dabei jünger als 24 Jahre. Insgesamt sind das 897 Debütanten in 5 Jahren. Durchschnittlich geben also jährlich 179,4 Spieler mit deutscher Staatsbürgerschaft und einem Alter unter 24 Jahren ihr Debüt als Profi in unseren ersten drei Ligen.

Warum betrachte ich lediglich die Spieler mit deutscher Staatsbürgerschaft und mit einem Alter unter 24 Jahren?

Einerseits möchte ich keine Talente aus dem Ausland berücksichtigen, die von den Vereinen im höheren Förderalter gescoutet und verpflichtet werden und andererseits nehme ich damit auch Spieler in die Betrachtung auf, die nicht unmittelbar nach der U19 einen Profivertrag erhalten, sondern im Amateurbereich noch eine Entwicklung durchlaufen. Mit 24 Jahren erstmals einen Profivertrag zu erhalten, ist dann wiederum doch ziemlich unwahrscheinlich.


Wie hoch ist also die Wahrscheinlichkeit, als geförderter Spieler Profi zu werden?

Wenn man also davon ausgeht, dass an einem Stützpunkt, es gibt in Deutschland momentan 366, pro Jahrgang ca. 10 Spieler gesichtet werden und an den jeweiligen Leistungszentren, wovon national 59 existieren, jeweils eine Mannschaft mit ca. 25 Spielern etabliert ist, kommt man auf 5.135 Spieler pro Jahrgang (aktuell hauptsächlich die Jahrgänge 2009, 2010, 2011 und 2012).

Zieht man die Juniorinnen, ca. 11%, an den Stützpunkten von dieser Zahl ab, dann sind es ca. 4.732 Junioren pro Jahrgang.

Das heißt, wenn Du als Junge in der Altersgruppe U13 bzw. U15 am Stützpunkttraining teilnimmst oder in einem NLZ gefördert wirst, dann ist die Wahrscheinlichkeit, später einmal in einer der drei ersten Ligen einen Profivertrag zu erhalten bei:

179,4/4.732 ≈ 3,8 %

Das ist ein rein kalkulatorischer Wert, der nur diesen Augenblick bewertet und nicht berücksichtigt, dass Spieler einer NLZ-Mannschaft höhere Chancen als Stützpunktspieler haben.

 

Wahrscheinlichkeit als geförderte Spielerin Profi zu werden:

Mangels besserer Daten muss ich auch hier Annahmen treffen und gehe ich von den Kadern der 1. und 2. Frauenfußballbundesliga aus, 12 Teams in der 1. Frauenfußballbundesliga und 14 Teams in der 2. Frauenfußballbundesliga.

Bei einer ähnlichen Rate an Debütanten im Profifußball bedeutet das:

·       179,4 Herrendebütanten bei 56 Teams in den ersten drei Ligen

·       179,4 / 56 * 26 ≈ 83,3 Profidebüts pro Jahr bei den Frauen

·       11% der geförderten 3.660 Spieler:innen pro Jahrgang an den DFB-Stützpunkten ≈ 402 Spielerinnen.

83,3/402,6 ≈ 20,69 %

Statistisch betrachtet liegt die Wahrscheinlichkeit einer geförderten Juniorin bei 20,69% später einen Vertrag in der 1. oder 2. Frauenbundesliga zu erhalten.


Wie eingangs bereits erwähnt, ist das alles ein Zahlenspiel, liefert aber sicherlich einen halbwegs validen Ansatz.


Wahrscheinlichkeit als U19-NLZ-Spieler einen Profivertrag zu erhalten:

59 NLZ mit Mannschaften à 27 Spieler: Gesamt ca. 1.593 Spieler

179,4/1.593 ≈ 11,26 %


Wahrscheinlichkeit als Junioren-Bundesligaspieler einen Profivertrag zu erhalten:

Statistisch betrachtet, kann man natürlich viele weitere Szenarien berechnen, wobei sich jeweils die Grundgesamtheit der betrachteten Gruppe ändert. Bspw. kann man einen Blick auf die Wahrscheinlichkeit Profi zu werden werfen, wenn man in den Juniorenbundesligamannschaften spielt:

Es gibt zur Zeit in Deutschland drei Junioren-Bundesligastaffeln (Nord-/Nordost, West und Süd-/Südwest), sowohl für die U17, als auch für die U19. In diesen Ligen spielen jeweils 14 Teams mit jeweils ca. 27 Spielern. Das heißt pro Liga und Altersgruppe ca. 1.134 Spieler.


Die Wahrscheinlichkeit als Juniorenbundesligaspieler ein Profidebüt in einer der drei Bundesligen zu geben liegt also bei:

179,4/1.134 ≈ 15,8 %


Wahrscheinlichkeit als U17-Bundesligaspielerin einen Profivertrag zu erhalten:

Es gibt zur Zeit drei Staffeln in der U17 Bundesliga der Juniorinnen mit jeweils 10 Mannschaften. Nimmt man an, dass ein Team aus 27 Spielerinnen besteht, dann erhält man also eine Grundgesamtheit von 810 Juniorinnen.

83,3/810 ≈ 10,28 %


Anhand dieses Ergebnisses und im Vergleich zur Wahrscheinlichkeit als Stützpunktspielerin einen Profivertrag zu erhalten wird deutlich, dass es sich zum einen um Annahmen und zum anderen um die Betrachtungen des jeweiligen Zeitpunkts und um keine Prozessbewertung handelt.


Wenn man darüber hinaus nicht nur steril die Zahlen in Augenschein nimmt, sondern auch die Realität für die einzelnen Spieler betrachtet, dann heißt das auch, möglichst verletzungsfrei zu bleiben und mit höchstem Einsatz jede Trainingseinheit und jedes Spiel zu absolvieren.

Überdies hilft es, wenn ein Trainer das Talent fördert und ihm das Vertrauen schenkt und darüber hinaus dem Spieler in seiner körperlichen und persönlichen Entwicklung nichts im Weg steht.

Die Persönlichkeitsentwicklung in der Pubertät (bei Jungen beginnt sie zwischen dem 10.ten und 14.ten Lebensjahr und endet zwischen dem 18.ten und 21.ten Lebensjahr) ist dabei eine besondere Herausforderung. Oft erreichen Eltern ihre Kinder in einer Phase nicht mehr, weil diese sich von ihnen abgrenzen wollen.

Bei all diesen Herausforderungen kann ein systemischer Coach mit Einblick in die jeweiligen „Welten“ helfen, Hürden zu überwinden.


Ich freue mich darauf, mit Euch nächste Woche ein weiteres Thema der Talententwicklung unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ aufzugreifen. Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!

 
 
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