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DFB Talentförderung - Fokus neu schärfen

Walter Sperger
15. Okt. 2023
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

„Donauderby“ nannte es ein Reporter und es war ein aufregendes Spiel in der dritten Liga,


FC Ingolstadt 04 vs. SSV Jahn Regensburg, was mich vergangenen Sonntag daran hinderte einen weiteren Beitrag unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ zu veröffentlichen. Das Team von Michael Köllner unterlag gegen den Club meiner Heimatstadt mit 2:4. Das Spiel war jedoch über weite Strecken ausgeglichen, wenngleich die Gäste aus Regensburg gerade in der zweiten Halbzeit die Defensivschwäche der Ingolstädter auf der linken Abwehrseite für sich zu nutzen wussten. Einen Spieler aus den Reihen der Ingolstädter werden wir meiner Meinung nach in der kommenden Saison bei einem höherklassigen Verein auf der rechten Außenverteidigerposition sehen: Yannick Deichmann. Der gebürtige Hamburger machte einen souveränen Eindruck und konnte sein Team sogar mit 1:0 in Führung bringen – ein Defensivspieler mit Abschlussqualität...

Aber darüber wollte ich heute nicht berichten. Yannik Deichmann ist Jahrgang 1994 und damit aus unserem Blickwickel der Talentförderung nicht mehr ganz so wichtig.

Bleiben wir in Regensburg. Zwar nicht beim SSV Jahn Regensburg sondern vielmehr in der Geburtsstadt eines vielversprechenden „Talents“, Kenan Yildiz. Der 2005 in der Domstadt geborene Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter hatte vergangenen Donnerstag seinen ersten Einsatz in der A-Nationalmannschaft der Türkei. Damit darf das 18-jährige Stürmertalent nicht mehr für die A-Nationalmannschaft Deutschlands spielen. Niklas Füllkrug und Kevin Behrens besetzen im gegenwärtigen Kader die zentrale Stürmerposition, aber beide sind bereits über dreißig Jahre alt und werden nicht die kommenden 10 Jahre für Deutschland auf Torejagd gehen können.

Natürlich sind Spieler, wie der kürzlich ins Gespräch gekommene Mathys Tel, gebürtiger Franzose, keine Alternative, aber ist es denn in unserem Land wirklich so schlecht um diesen Spielertyp „Strafraumstürmer“ bestellt?

Eines kann man ohne Umschweife feststellen: die Talentförderung hat sich in einem Abschnitt von über zehn Jahren nicht um diese Spezies gekümmert. Vielmehr legte man den Fokus auf spielstarke Spieler und schielte dabei mit Schwerpunkt auf die Superstars aus Spanien, die ohne Frage auch den Fußball Europas über ein Jahrzehnt prägten. Pep Guardiola ist der personifizierte Vertreter dieses Spielstils. Er verkörperte ihn nicht nur als Spieler, sondern setzt ihn als Trainer nahezu in Perfektion um. In Kombination mit einer scheinbar unerschöpflichen Geldquelle konnte er mit Manchester City sogar die vermeintlich stärkste Liga der Welt im vergangenen Jahr dominieren. Ja, mit Erling Haaland hat er einen Stoßstürmer par excellence in seinen Reihen, aber auch seinen Ausfall konnte er immer wieder nahezu perfekt mit seinen spielstarken Mittelfeldspielern, wie bspw. Phil Foden oder Bernardo Silva, kompensieren.

Wir blicken oder blickten alle ehrfürchtig auf diese Darbietungen, ähnlich vielleicht, wie Anfang der 70er Jahre auf das Spiel der Holländer mit Johann Cruyff. Dabei vergaßen wir „unsere“ Art, dem runden Leder nachzujagen und im Hinblick auf die Talentförderung die Spielertypen, um diesen Fußball umzusetzen.

Aber haben sich die jungen Spieler allesamt anders entwickelt? Sind die Strafraumstürmer und die zweikampfstarken Spieler aufgrund des veränderten Fokus in der Talentförderung verschwunden?

Ich meine NEIN.

„Ein Schreiner sieht in Allem nur Bretter und Nägel“ heißt es so schön im Volksmund. Und diese Aussage hat einen wahren Kern.

Haben wir in der Talentsichtung nicht jahrelang nach spielstarken Spielern Ausschau gehalten und sie an unseren Stützpunkten und in den Leistungszentren sichtbar gemacht? Absolut. Das haben wir.

Das heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass die Entwicklung anderer Spielertypen nicht mehr stattfand. Vielmehr wurde die Sichtbarkeit dieser vernachlässigt und zu einem bestimmten Teil auch deren Förderung. Im Bereich der Talentförderung können wir dieses Ungleichgewicht wieder ausgleichen. Dazu bedarf es jedoch Jahre des Vorlaufs, um Ergebnisse in der Breite zu erhalten. Für die gegenwärtige Situation und in naher Zukunft müssen wir unsere Antennen schärfen und speziell die Jahrgänge 2002 bis 2008 mit Argusaugen unter die Lupe nehmen. Vielleicht schlummern potentielle Nationalmannschaftskandidaten bei Zweit- oder Drittligisten oder wurden bereits sichtbar und wir haben ihnen nicht genügend oder erst zu spät Aufmerksamkeit geschenkt, wie im Falle von Kenan Yildiz.

Vielleicht aber schenken wir diesen Spielern manchmal nicht das nötige Vertrauen, wie es Beispiele wie Bernhard Winkler oder aber auch die viel zu spät nominierten Stefan Kunz oder Martin Max belegen.

Ich freue mich darauf, mit Euch nächste Woche ein weiteres Thema der Talententwicklung unter meiner Rubrik „So schaut’s aus“ aufzugreifen. Bis dahin! Bleibt gesund und allzeit einen guten Ball!

 
 
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